Blaue Strichzeichnung einer meditierenden Person mit einer Lotusblume über dem Kopf.

PsychedeliCare-Initiative: Ergebnis & wie es weitergeht

15. Januar 2026| Autor:| Autor:
Bunte Straßenmarktszene bei Sonnenuntergang mit Text über die PsychedeliCare-Initiative und die Bewegung für die Legalisierung der psychedelischen Therapie in Europa.

Psychische Erkrankungen sind nach wie vor eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Viele Menschen sprechen nicht auf herkömmliche Behandlungen an, während wissenschaftliche Studien weiterhin zeigen, dass psychedelische Substanzen wie Psilocybin, MDMA und LSD wirksam gegen Depressionen, PTBS und Suchterkrankungen sein können.

Am 14. Januar 2026 endete die offizielle Sammelphase der PsychedeliCare Initiative. Ein Jahr lang haben sie als Europäische Bürgerinitiative (EBI) für die Legalisierung psychedelischer Therapie (PAT) in Europa gekämpft.

Das ambitionierte Ziel von 1 Million Unterschriften wurde zwar zahlenmäßig verfehlt, doch politisch und gesellschaftlich wurde ein Stein ins Rollen gebracht.

In diesem Artikel ziehen wir Bilanz, erklären, warum das Thema aktueller denn je ist und wie es jetzt, nach dem Ende der EBI, weitergeht.

Inhaltsverzeichnis

Die Ausgangslage

Die Gründe, warum diese Initiative gestartet wurde, sind heute so drängend wie vor einem Jahr: Mindestens ein Sechstel der EU-Bevölkerung leidet an einer psychischen Erkrankung. Bis zu 50 % der Betroffenen sprechen nicht ausreichend auf herkömmliche Medikamente oder Therapien an.

Die Forschung bestätigt weiterhin die enormen therapeutischen Potenziale von:

  • Therapieresistente Depressionen (Psilocybin, LSD)

  • Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) (MDMA)

  • Angststörungen (Psilocybin, LSD)

  • Suchterkrankungen (Iboga)

  • Zwangsstörungen (Psilocybin, LSD)

Während Länder wie Australien oder Teile der USA den Zugang bereits reguliert haben, hinkt die EU hinterher. Genau deshalb war die PsychedeliCare Initiative so wichtig.

Was ist die PsychedeliCare Initiative?

Die PsychedeliCare Initiative war eine Europäische Bürgerinitiative (EBI), die vom 14. Januar 2025 bis zum 14. Januar 2026 lief.

Eine große Gruppe von Menschen in einem Konferenzraum in Brüssel. Das Launch-Event von PsychedeliCare.

🎯 Ziel: 1 Million gültige Unterschriften

👉 Ergebnis: Rund 73.000 gesammelte Unterschriften aus ganz Europa.

Auf den ersten Blick wirkt das Ziel verfehlt. Die formale Hürde, um die EU-Kommission gesetzlich zum Handeln zu zwingen, wurde nicht erreicht.

Aber: Das Thema wurde aus der Nische in den europäischen Diskurs geholt.

  • Vernetzung: Es hat sich ein europaweites Netzwerk aus Wissenschaftlern, Betroffenen und Aktivisten gebildet.

  • Aufklärung: Tausende Menschen haben sich zum ersten Mal ernsthaft mit dem medizinischen Nutzen von Psychedelika auseinandergesetzt.

  • Signalwirkung: 73.000 Menschen haben offiziell ihren Namen unter die Forderung nach einer Drogenpolitik-Reform gesetzt. Das ist ein klares Signal an Brüssel, das nicht ignoriert werden kann.

Die Forderungen bleiben bestehen

Auch wenn die EBI beendet ist, bleiben die Forderungen an die Politik dieselben:

  1. Mehr Forschung finanzieren: Die EU muss öffentliche Gelder (z.B. aus Horizon Europe) gezielt in die Erforschung dieser Therapien lenken, da die Pharmaindustrie wegen fehlender Patentierbarkeit kaum Interesse zeigt.

  2. Einheitliche Leitlinien: Wir brauchen EU-weite Standards für die Ausbildung von Therapeuten und den Betrieb von Therapiezentren.

  3. UN-Neuklassifizierung: Die EU muss ihre 14 Stimmen in der UN-Suchtstoffkommission nutzen, um die veraltete Bewertung von Psychedelika aus dem Jahr 1971 zu korrigieren – ähnlich wie es bereits bei Cannabis gelungen ist.

Warum die EU weiter unter Druck steht

Das Missverhältnis bleibt bestehen: Die EU gibt Milliarden für Forschung aus, aber nur einen winzigen Bruchteil davon für psychedelische Studien. Angesichts der „Mental Health Crisis“ in Europa ist das ökonomisch und ethisch nicht haltbar. Wir sehen Fortschritte auf nationaler Ebene, aber ohne einen europäischen Rahmen bleibt der Zugang ungerecht und vom Wohnort abhängig.

Hör dir hier noch einmal unsere Podcast-Folge mit Dr. Gregor Hasler an, in der wir die Vorteile von Psychedelika gegenüber klassischen Psychopharmaka diskutieren:

Wie es jetzt weitergeht

Das Ende der Unterschriftensammlung ist nicht das Ende von PsychedeliCare. Die Organisatoren haben angekündigt, die Strukturen zu nutzen, um als europäische Bewegung weiterzuarbeiten.

Was du jetzt tun kannst:

  1. Bleib informiert: Abonniere den Newsletter von PsychedeliCare, um Updates über nationale Gesetzesänderungen und neue Kampagnen zu erhalten.

  2. Unterstütze die Organisation: PsychedeliCare wird sich voraussichtlich stärker auf Lobbyarbeit und Aufklärung konzentrieren. Dafür werden weiterhin Spenden und ehrenamtliche Helfer benötigt.

  3. Sprich darüber: Das Tabu bröckelt nur, wenn wir weiter darüber reden. Teile Artikel, sprich mit Freunden und trage dazu bei, das Stigma zu beenden.

Die Vision lebt weiter

„Die Vertragsstaaten erkennen das Recht eines jeden auf das für ihn erreichbare Höchstmaß an körperlicher und geistiger Gesundheit an.“ – UN-Menschenrechtsabkommen (Artikel 12)

Unsere Vision bleibt eine Zukunft, in der psychedelische Therapie eine normale, legale und von Krankenkassen finanzierte Option ist. Eine Zukunft, in der niemand auf den Schwarzmarkt ausweichen muss, um Heilung zu finden.

Im letzten Jahr wurde das Fundament gelegt. Jetzt fangen wir an, darauf aufzubauen.

Danke an alle 73.000 Unterstützer, die diesen ersten Schritt gegangen sind!

Hier findest du die verschiedenen Kanäle von PsychedeliCare:

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