Wie entstehen Halluzinationen bei Psychedelika?

Psychedelika verursachen bei der Einnahme Halluzinationen und visuelle Effekte. Atmende Wände, unzählige Augen in der Landschaft und Fraktale in den Wolken. Diese Effekte, auch Optics oder Visuals genannt, sind Beispiele, die Konsumenten häufig auf Trips erleben. Doch wie entstehen visuelle Halluzinationen überhaupt? WAS sehen wir da eigentlich wirklich? Und was sagen diese visuellen Veränderungen über unsere Realität aus?

Was ist eine Halluzination?

Ganz vereinfacht kann man bei Halluzinationen von einer veränderten Wahrnehmung der Realität sprechen. Man sieht die Dinge anders als im normalen Alltagsbewusstsein.

Eine kleine Unterscheidung ist hierbei wichtig: Wenn wir von Halluzinationen sprechen, wie sie bei der Einnahme von Psychedelika eintreten, dann sind das eigentlich keine wirklichen Halluzinationen. Denn bei der eigentlichen Definition spricht man von einer Wahrnehmung, bei der man Dinge sieht, die eigentlich gar nicht da sind. Man kann diese Halluzinationen gar nicht von der “echten” Realität unterscheiden.

Bei psychedelischen Halluzinationen hingegen nehmen wir die Realität lediglich verändert wahr. Es kommt nur selten zu wirklichen Halluzinationen, sondern eher zu sogenannten Pseudohalluzinationen oder Illusionen.

Das ändert jedoch nichts daran, dass man sich unter Einfluss von Psychedelika die Frage stellt, WAS man da eigentlich wirklich sieht. Und dazu sollten wir einmal kurz die Frage klären…

Wie verändern Psychedelika unsere Wahrnehmung?

Unsere Augen funktionieren wie Sensoren, die das umgebende Licht einfangen. Und diese Informationen über das Licht verarbeitet unser Gehirn und gleicht es mit den Konzepten ab, die wir schon kennen. So können wir immer identifizieren, was wir gerade sehen.

Unter Einfluss von Psychedelika wird ein Gehirnareal insbesondere heruntergefahren: Das Ruhezustandsnetzwerk. Und darin befindet sich unser Ego. Dieses funktioniert quasi als Autobiografie. Und als Biografie beinhaltet das Ego auch alle Informationen zu Objekten, Konzepten und Dingen, die wir im Laufe unseres Lebens sammeln.

Beim Herunterfahren des Ruhezustandsnetzwerks kann unser Gehirn die Dinge, die wir mit den Augen sehen, nicht mehr zu bekannten Objekten oder Konzepten zuordnen. Und das führt dann zu Wahrnehmungen, die sich stark von unserem Alltagsbewusstsein unterscheiden.

Fun Fact: Da wir erst mit der Zeit lernen, alles Gesehene in Konzepte und Objekte einzuteilen, sind wir als Neugeborene den äußeren Reizen komplett ungefiltert ausgesetzt. Eine interessante Frage wäre, ob Babys eine ähnliche Wahrnehmung haben wie jemand, der z.B. LSD konsumiert hat.

Warum sehen wir gerade Augen, Schlangen und Geometrien in psychedelischen Halluzinationen?

Das Abschalten unseres Egos führt dann zu den oben genannten Effekten: Geometrien an den Wänden oder Augen in der Landschaft. Warum wir gerade diese sehen, ist nicht leicht zu beantworten. Aber hier sind einige Ansatzpunkte:

Augen, Hände, Baumrinde, Flüsse…

Ein plausibler Grund könnte sein, dass das Gehirn mehr Informationen aus dem Unterbewusstsein heranziehen muss, weil die Biografie des Egos nicht mehr zuverlässig funktioniert.

Also alles Natürliche wie Hände, Augen, Bäume und Landschaftsformationen wie Flüsse und Berge sind sehr naheliegend, weil diese die natürliche Umgebung des Menschen sind, in der er sich entwickelte.

Schlange, Spinnen und Gefahren

Es könnte auch ein gewisses kollektives oder evolutionäres Bewusstsein geben, welches Ängste und Gefahren enthält, um unser Überleben zu sichern. Das könnte erklären, warum Spinnen oder Schlangen häufig als Halluzinationen auftreten.

Und das kann dann unter Umständen auch zu herausfordernden Erfahrungen führen, da wir mit unseren tiefsten Urängsten konfrontiert werden. Doch wie eingangs erwähnt, ist dem Konsumenten während des Trips meistens bewusst, dass es sich um Visuals handelt.

Geometrien, Symmetrien, Fraktale

Häufig sieht man als Halluzination geometrische Muster und Symmetrien, wo sonst keine sind.

Es gibt Vermutungen, dass geometrische Halluzinationen ein Abbild dessen sein könnten, wie die Informationsverarbeitung im Gehirn auf mikroskopischer Ebene funktioniert. Denn Fraktale und Symmetrien sind Grundprinzipien der Natur und könnten eine Rolle spielen im Zusammenspielen der elektrischen Impulse unserer Nervenzellen. [1]

Eine weitere Möglichkeit für die symmetrischen Muster könnte eine Überstimulation des Gehirnareals sein, welches zuständig ist für Mustererkennung und Kantendetektion. Das könnte erklären, warum gerade an den Rändern von Objekten symmetrische Formen auftauchen. Ganz bekannt sind Spiralen und Fraktale am Rand von Wolken. [2]

Carl Jung, ein schweizer Psychologe, vermutete in manchen Mustern eine gewisse universelle, archetypische Bedeutung für den Menschen. Die Wirkung von Psychedelika könnte unter anderem für Erfahrungen sorgen, die genau diese universellen Symbole in einem Trip abrufen und in unsere Wahrnehmung vermischen.

Hier kannst du dir eine Simulation der Halluzinationen anschauen.

 

Die Psychologie von Halluzinationen

Insgesamt kann man sagen, dass Psychedelika die Fähigkeit beeinflussen, das Gesehene mit den passenden Konzepten im Gehirn abzugleichen. Das bedeutet aber, dass wir ohne diese Konzepte die Realität roh und ungefiltert wahrnehmen.

Ist also unsere Wahrnehmung im Alltagsbewusstsein nur eine andere Form von Halluzination? Eine Art kontrollierte Halluzination?

Man könnte tatsächlich so weit gehen, folgendes zu sagen: Wir haben die ganze Zeit Halluzinationen, aber wenn sich Menschen auf diese einigen, dann nennen sie das die Realität.

Dieses Thema schneidet ein bekanntes Konzept aus der Philosophie an, nämlich Konsensrealität: Eine Art kollektive Realität, auf die wir uns als Gesellschaft geeinigt haben. Diese ist erlernt und kann je nach Kultur auch anders sein.

Psychedelika scheinen diese Konsensrealität aufzubrechen, weil sie als Gelerntes auch in unserer Biografie gespeichert ist. Unsere Wahrnehmung von bekannten Modellen wird vielleicht sogar dauerhaft auf eine Weise verändert, die uns erlaubt, über die eigene Nasenspitze hinaus zu sehen.

Diese Veränderung der Wahrnehmung geht auch über die Halluzinationen hinaus und umfasst Glaubenssätze und Denkmuster, die wir uns im Laufe unseres Lebens angeeignet haben. Und das ist auch der Grund, warum Psychedelika so gut für das Erlangen von Erkenntnissen und achtsame Persönlichkeitsentwicklung geeignet sind.

Fazit – Was wir von Halluzinationen lernen können

Visuelle Halluzinationen sind ein unfassbar spannender Teil von psychedelischen Substanzen. Sie lassen uns die Welt mit anderen Augen sehen – und das ganz buchstäblich!

Und dieser letzte Satz ist eine schöne Metapher dafür, was Psychedelika eigentlich mit uns machen: Denn Visuals und Optics sind zwar ganz schön und faszinierend, aber sie geben uns so viel mehr, nämlich die Möglichkeit, die Welt und uns selbst aus einer neuen Perspektive zu sehen. Das macht Psychedelika zu einem so mächtigen Werkzeug.

Durch diese Perspektivwechsel lernen wir mehr über uns und die Welt und können bewusste Entscheidungen für unser Leben treffen.

Einer der wichtigsten Aspekte dabei ist die Integration einer solchen Erfahrung. Eine psychedelische Erfahrung an sich muss noch gar nicht für eine Verbesserung des Lebens sorgen, denn oft ist es die Interpretation und Umsetzung des Gelernten, welche wirkliche Veränderung bringt.

Wenn du mehr über die Vorteile von LSD und die Integration solcher Erfahrungen wissen willst, dann findest du hier den passenden Artikel dazu.

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Wichtige Quellen

[1] Cowan, J. D., & Ermentrout, G. B. (1979). A mathematical theory of visual hallucination patterns. Biological Cybernetics, 34(3), 137-150

[2] Carhart-Harris, R. L., et al. (2016). Neural correlates of the LSD experience revealed by multimodal neuroimaging. Proceedings of the National Academy of Sciences, 113(17), 4853–4858

  1. […] verantwortlich sind. Muscimol wirkt demnach neuronal entspannend, sedetativ und in höheren Dosen halluzinogen und hypnotisch, teilweise begleitet von körperlichen Symptomen wie Übelkeit und […]

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