Psychedelika und Microdosing bei Depressionen

18. Januar 2020|Microdosing, Psychologie|
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Psychedelische Drogen und Microdosing bei Depressionen

Das Interesse für Psychedelika und Microdosing (die Einnahme kleinster Mengen psychedelischer Drogen) wurde spätestens seitdem Steve Jobs angab, dass die Einnahme von LSD eine der der “positivsten und lebensveränderndsten Erfahrungen” seines Lebens war, bei der breiten Masse geweckt.

Jüngste Studien versprechen ein enormes Potenzial dieser Substanzen für die Psychotherapie. Nun tauchen immer wieder Berichte über Microdosing im Internet auf, die von einer Verbesserung psychischer Krankheitssymptome wie Depressionen, Angststörungen oder ADHS sprechen.

In diesem Artikel möchte ich dir diese Thematik näher bringen. Zuerst gehe ich auf die Natur von Depressionen ein und darauf, wie psychedelische Drogen im Gehirn wirken. 

Dann stelle ich den wissenschaftlichen Stand zur Behandlung von Depressionen mit Psychedelika vor, mit allen interessanten Studien und deren Ergebnisse. Zuletzt gehe ich auf Microdosing ein und ziehe dann ein Fazit zu Psychedelika und Microdosing bei Depressionen.

Depressionen

Eine depressive Phase so zu beschreiben, dass andere sie nachempfinden können ist schwierig. Manche berichten davon, dass sich “plötzlich und ganz ohne Grund eine dunkle Wolke der Traurigkeit in dein Leben” schiebt. Oft wird auch von einer Niedergeschlagenheit und Gleichgültigkeit gesprochen, die Abstinenz von Emotionen.

Depressionen entstehen, wenn das Ego sich selbst bestraft.

 Jeder fünfte Deutsche wird mindestens ein mal in seinem Leben eine depressive Episode durchleben. Genetische Veranlagungen spielen oft eine Rolle, genauso wie Funktionsstörungen im Gehirn und traumatisierende Erfahrungen. Insgesamt können die Ursachen in psychosoziale Aspekte (traumatische Erlebnisse, Überlastung) und neurobiologische Aspekte (Genetik und hormonelle Veränderungen) aufgeteilt werden.

Depressionen sind die verbreitetste Gehirnstörung Europas und kostet mehrere hundert Milliarden Euro jedes Jahr. Behandelt werden sie typischerweise mit Antidepressiva. Diese Medikamente zeigen meist eine Linderung der Symptome, bekämpfen jedoch nicht die eigene Ursache. 

Um eine langfristige Verbesserung herbeizuführen, muss tiefer in die Psyche eingegriffen werden. Es geht nicht darum die Abläufe im Gehirn zu ändern, sondern die Grundbausteine so zu verändern, dass es andere Abläufe erzeugt. Vielleicht gibt es eine Möglichkeit, eine Art Werkzeug, dass es erlaubt, auf diese unterbewussten Abläufe zuzugreifen?

Psychedelische Drogen im Gehirn

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Hier zu sehen sind die Kommunikationswege eines nüchternen menschlichen Gehirns verglichen mit einem auf Psilocybin (aktiver Wirkstoff in magic mushrooms, sehr ähnlich zu LSD). Tatsächlich sind in beiden Vergleichen die gleiche Anzahl an Verbindungen vorhanden. Nur ist links die Kommunikation auf bestimmte Hirnregionen begrenzt, so sprechen visuelle Regionen meist nur mit anderen visuellen Regionen. Im psychedelischen Gehirn siehst du weniger Begrenzung, sondern offene, freiere Verbindungen.

Stell dir das Gehirn vor wie einen Abhang zum Skifahren, und die Gedanken sind die Abdrücke der Ski im Schnee. Da der Abhang stark befahren ist, wird sich mit der Zeit eine Haupt-Schneise im Schnee bilden, die immer tiefer eingefahren wird. Es wird also immer wahrscheinlicher, dass die gleiche Schneise verwendet wird. Psychedelische Drogen kannst du dir nun Neuschnee vorstellen. Die tiefe Schneise wird aufgefüllt und plötzlich wird wieder in alle möglichen Richtungen gefahren und neue Schneisen gebildet.

Das Gehirn auf Psychedelika ist desintegrierter und chaotischer. Der Anwender kann in folge realitätsuntüchtig werden und irritiert wirken, aber auch neue Gefühlszustände und Einsichten hervorbringen, was besonders therapeutisch wirkt.

Studien zu Psychedelika bei Depressionen

Albert Hoffmann erkannte kurz nach seiner Entdeckung des LSD, dass die Substanz eines Tages von großem Wert für die Medizin und speziell die Psychiatrie sein wird und verteilte sie an die wichtigsten Psychologie-Institute der Welt. Das Molekül fand schnell den Weg in die Psychotherapie, wo es gegen eine Vielzahl von Gehirnstörungen eingesetzt wurde, z.B. Alkoholismus, Angststörungen und Depressionen. 

Psychedelische Substanzen wurden als Wunderdrogen bezeichnet, welche irgendwann denselben Stellenwert für die Psychiatrie haben werden, wie das Mikroskop für die Biologie oder das Fernrohr für die Astronomie.

Stanislav Grof konnte zwischen 1967 – 1972 in mehreren Studien zeigen, dass LSD kombiniert mit Psychotherapie, Symptome der Depression, Anspannung und Angst beseitigen oder erheblich lindern kann. 

Leider sorgte das Stigma um die Gegenbewegung der 60er in den USA kurze Zeit später dafür, dass psychedelische Drogen weltweit verboten wurden. Erst 2006 wurde die erste wissenschaftlich signifikante Studie mit Halluzinogenen seit knapp 30 Jahren genehmigt und durchgeführt. 

Die erste Studie spezifisch zu Depressionen folgte im Jahr 2011. Es wurden Krebspatienten, die den sicheren Tod vor Augen hatten, Psilocybin verabreicht und mit einer Therapie begleitet. Die Ergebnisse zeigen, dass Psilocybin die psychische Fehlbelastung bei Krebs im Endstadium reduzieren kann. Eine Doppelblindstudie aus 2016 bestätigte diese Ergebnisse und zeigte eine langanhaltende Verbesserung der Lebensqualität und der Todesangst der Patienten.

Im selben Jahr folgte die bekannte Studie des Imperial College London, bei der 12 Patienten mit mittel bis schweren Depressionen zwei Therapiesitzungen mit Psilocybin durchliefen. Die Ergebnisse (in diesem Vortrag vom Studienleiter präsentiert) waren bahnbrechend: bei fast allen Patienten konnten selbst 3 Monate nach der Behandlung eine noch deutliche Verbesserung depressiver Symptome festgestellt werden, manche waren sogar komplett geheilt. Alles nur durch zwei Sitzungen, ohne monatelange Behandlung mit Antidepressiva.

Und 2020 geht es weiter. An der John Hopkins Universität wird gerade von Roland Griffith eine weitere Studie mit 24 Teilnehmern zur Psilocybin-Psychotherapie durchgeführt. Noch imposanter ist die erste deutsche Studie zur Behandlung von Depressionen mit Psilocybin. 144 Patienten werden in Mannheim und Berlin in Behandlung gehen und damit hoffentlich den Weg zur behördlichen Zulassung von Psilocybin ebnen.

Microdosing bei Depressionen?

Insgesamt gibt es etwa 30 wissenschaftliche Studien bei denen kleinsten Dosen LSD verabreicht wurden, aber nur wenige spezifisch zu Depressionen. Generell zeigten sie deutlich mildere Effekte als bei Studien mit höherer Dosierung. Bei einer Studie aus 1954 wurde Patienten 20 Mikrogramm LSD verabreicht, was eine Reihe geringfügiger Effekte produzierte, die Patienten fühlten sich wacher und euphorischer. 

2019 folgte die bisher größte und präziseste Studie zu Microdosing bei Depressionen. Die Ergebnisse blieben hinter den Erwartungen zurück. Sie zeigten zwar, dass bei den Patienten die Depressionen abgeschwächt und die Aufmerksamkeit gesteigert wurde, tiefgreifende Veränderungen blieben jedoch aus.

Generell konnten bei Dosierungen zwischen 10 – 30 Mikrogramm (Microdosing) bei keiner Studie eindeutige positive Wirkungen auf Depressionen festgestellt werden. Die meisten erfolgreichen Studien fanden mit höheren Dosierungen statt, was zu deutlicheren Effekten bei den Patienten führte.

Microdosing bei Depressionen steht noch am Anfang. Bei dem aktuellen Hype um Microdosing tendieren wir schnell dazu, der Praxis extrem hohes Potenzial zuzusprechen. Klar, tausende Berichte von Menschen weltweit zeigen, dass Microdosing lebensverändernde Wirkungen haben kann. Dass Microdosing einen Effekt hat ist unbestreitbar, ob es effektiv bei Depressionen eingesetzt werden kann, können wir aktuell noch nicht absehen.

Auch wir haben Microdosing schon mehrfach probiert und sind begeistert. Wir konnten bei uns eine aufgehellte Stimmung, erhöhte Wachheit und eine gesteigerte soziale Performanz feststellen . Belegen können wir davon aber natürlich nichts. Microdosing ist nunmal eine recht subjektive Praxis und jeder Mensch nimmt es anders wahr. 

Bei Fragen zu diesem Thema oder Interesse, unsere professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, bewirb dich hier gerne für ein kostenloses und individuelles Beratungsgespräch.

Wenn du dich selbst einmal mit Microdosing befassen möchtest, schau einfach mal bei unseren Microdosing Anleitungen vorbei.

Fazit

Die fünfthäufigste Krankheit in Deutschland ist eine psychische. Depressionen plagen unsere Gesellschaft und entfernen die Betroffenen immer weiter von ihrem Leben. Die üblichen Behandlungsmethoden (Antidepressiva und Redetherapie) zeigen meist eine Abschwächung der Symptome, führen aber selten zu einer langfristigen Verbesserung, da die Ursachen der Krankheit weiter bestehen.

Ein Lichtblick scheint der Einsatz von psychedelischen Substanzen gepaart mit einer dedizierten Psychotherapie zu sein. Studien mit dem Einsatz des Halluzinogens Psilocybin zeigten bemerkenswerte Ergebnisse. Patienten zeigten nach nur zwei Sitzungen mit der Droge langfristige (nach 3 und 6 Monaten) Verbesserungen ihrer Depressionen, manche wurden sogar komplett geheilt.

Diese Ergebnisse ermöglichten weitere Forschung und aktuell scheint es, als ob das Zeitalter der psychedelischen Psychotherapie kurz vor ihrem “Outbreak” steht.

Jedoch wird diese Therapieform vermutlich nicht innerhalb der nächsten 5 – 8 Jahren in Deutschland genehmigt sein, die Leute müssen sich weiterhin selbst helfen. Der Hype um Microdosing bei Depressionen scheint deshalb immer weiter zuzunehmen. Da es für Microdosing noch keine eindeutigen wissenschaftlichen Erkenntnisse gibt, geben nur die zahlreichen persönliche Berichte Grund zur Annahme, dass auch Microdosing seinen Platz in der Behandlung von Depressionen finden könnte.

Ich vermute allerdings, dass Microdosing primär interessant für die Menschen sein wird, die ihr Alltagsbewusstsein aufs nächste Level optimieren möchten, einen besseren Fokus und ihre Konzentrationsfähigkeit erhöhen wollen. Klar, es wird immer Leute geben, bei denen Microdosing depressive Verstimmungen verbessern kann – zuverlässig bestimmen lässt sich das ganze jedoch aktuell noch nicht.

Viele Grüße,
Jascha

  1. […] dieser Fallstudie wird berichtet, dass das Microdosing bei Depressionen, Angstzuständen und Schlafstörungen half, die durch frühere Traumata verursacht wurden. Nach […]

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